Covertext
Berenike Roithers neuer Teesalon im beschaulichen Kurort Altaussee im Salzkammergut verlangt ihre volle Aufmerksamkeit. Doch bald wird sie aus der gewohnten Arbeit herausgerissen: Ihre Tanzlehrerin Caro, die am mystischen Hallstätter Gräberfeld ein keltisches Tanzritual abhalten wollte, wird tot aufgefunden – in der Mitte entzwei gesägt und in einem Friseursalon zur Schau gestellt. Auch Berenike fragt sich, wer so viel Hass gegen die engagierte Frauenhausmitarbeiterin hegte. Und plötzlich steckt sie selbst mitten in den Ermittlungen…
Kritische Worte
Anni Bürkl legt mit Ausgetanzt ihren zweiten Kriminalroman mit und um Berenike Roither vor. Dabei geht Sie wie im ersten Band vor, quasi jedem Kapitel ist ein Tee gewidmet, der in irgendeiner Form darin auftaucht. Diese Idee ist nett und unterstreicht immer wieder, dass die Hauptfigur einen Teesalon betreibt.
Bei der Charakterisierung der einzelnen Damen kam es jedoch im Gegensatz zu den Tee-Titeln zu eher diskontinuierlichen Beschreibungen. Berenike ist klar umrissen, ebenso zwei weitere Damen, um die es geht. Der auftretende Kommissar, mit diesem hatte Berenike eine Affäre, verblasst dagegen ungemein. Zwar wird er zwischendurch immer wieder erwähnt und hat kurze Auftritte, spielt jedoch bezüglich der Ermittlungen eine eher unbedeutende Rolle.
Meiner Ansicht nach hat sich Anni Bürkl zu sehr darauf fixiert jegliche Schilderung aus Sicht ihrer Hauptfigur vorzunehmen. Somit empfand ich den Anfang von Ausgetanzt als äußerst spannend und unterhaltsam, leider kam es nach ca. 90 Seiten dann zu einem umfassenden Leerlauf. Über 130 Seiten lang passierte nicht wirklich viel. Berenike ermittelte so vor sich hin, nichts Weltbewegendes. Als schließlich das Finale näher zu rücken schien, flammte kurzzeitig die Atmosphäre der ersten 60 bis 80 Seiten wieder auf. Leider verpuffte diese ebenso schnell wie sie aufflammte.
Das Finale an sich war keins, die Lösung des Falles unbefriedigend und unspektakulär. Der Aha-Effekt wollte sich nicht einstellen. Vielmehr hoffte ich sogar im (fast 20 Seiten!!!) langen Epilog auf die Überraschung. Schade, nichts dergleichen. Es blieb bei einer Aneinanderreihung von Ereignissen, die bei mir keine Spannung entstehen lassen konnten.
Neben all diesen negativ klingenden Bemerkungen gibt es jedoch positive Ansätze zu vermelden:
Die Farbe Grün tritt immer wieder in Erscheinung. Nicht nur der Wald ist grün, sondern ebenso Fahrzeuge, Kleidung und dergleichen mehr. Und grün ist in diesem Buch von Bedeutung für den gesamten Fall. Mehr oder weniger. Ein roter (grüner) Faden, wenn man so will. Sicher hätte diese Idee stärker ausgearbeitet werden können, leider fehlte jedoch die Kontinuität.
Ebenso wie Grün schwingt durch das gesamte Buch eine brisante Männerfeindlichkeit. Als männlicher Leser könnte ich fast meinen, das Buch sei nicht für mich geeignet. Immer wieder stoße ich auf Misshandlungen, frauenfeindliche Äußerungen und verachtende Lebensweisen, die vom Mann ausgehen. Ein Aspekt, den Anni Bürkl zu Beginn clever integrierte, mit fortschreitender Seitenzahl allerdings als Mittel zum Zweck und Motiv missbrauchte. Immer öfter bringt sie Situationen ein, in denen der Mann als böses Individuum verarbeitet wird. Ab einem bestimmten Moment driftet die Autorin sogar soweit ab, dass Frauen fremder Kulturen mit frauenfeindlichen Männern gleichgestellt werden. Das hätte nicht sein müssen, fand ich die multikulturelle Mischung der Hauptfiguren doch sehr gut gelungen.
Mein Fazit
Nach dem sehr guten ersten Tee-Krimi Schwarztee fällt mir zu Ausgetanzt nur ein Satz mit X ein: Das war wohl nix!
Leider hat mich der vielversprechende Krimi nicht wirklich erreichen können. Das mag zum einen an der starr fixierten Perspektive auf Berenike gelegen haben, andererseits misslang die Auflösung des Kriminalfalls ebenso.
Und somit zitiere ich abschließend die Presse am Sonntag, die passend auf dem Cover abgedruckt wurde: „… Leichte Kost für Sommerfrischler: Jedes Kapitel heißt wie eine Teesorte, von Darjeeling bis Ausseer Mischung.“
Heiß wie ein frisch gekochter Tee, wäre mit lieber gewesen
Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!
Die Autorin
Anni Bürkl, Jahrgang 1970, lebt seit Abschluss ihres Studiums der Publizistik im Jahr 2001 als freie Journalistin, Autorin und mitunter Ghostwriter in Wien. Im Ausseerland, wo sie sich im Sommer gerne aufhält, schreibt sie am liebsten. 2003 wurde sie mit dem Theodor-Körner-Förderungspreis ausgezeichnet, 2010 erhielt sie das Krimi-Stipendium Trio Mortale der Stadt Wiesbaden. Sie ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, deren Österreich-Gruppe sie leitet, und der IG Autorinnen Autoren. Mit dem Kriminalroman Ausgetanzt setzt sie ihre Serie um die charismatische Teelady Berenike Roither fort.
Daten zum Buch
Titel: Ausgetanzt, Verlag: Gmeiner Verlag, Autor: Anni Bürkl, 321 Seiten Taschenbuch, Erschienen: 12.07.2010, ISBN: 9-78383-921101-4Weiterführende Links:
- Internet: www.texteundtee.at
- Leseprobe: www.texteundtee.at/publikationen.php
