Renate Kaiser ist Kinder- und Jugendbuchautorin.
Seit sieben Jahren arbeitet sie für das Leseförderprogramm Antolin. Im Laufe der Jahre hat Renate Kaiser hunderte Kinder- und Jugendbücher gelesen. Es war quasi nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst mit dem Schreiben begann.
Im Oktober erscheint nun ihr zweites Buch.
Ich hatte die Gelegenheit mich mit Renate über Antolin, ihre Bücher und das Thema Lesefaulheit zu unterhalten.
Nicolas Certa
Hallo Renate, schön dass Du Zeit für mich hast. Stell Dich doch bitte kurz meinen Lesern vor!
Renate Kaiser
Ich lebe mit meinem Mann und meiner Tochter in Neuss, in der Nähe von Düsseldorf. Nach meinem Betriebswirtschaftsstudium war ich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Vor drei Jahren habe ich ein Fernstudium zur Kinder- und Jugendbuchautorin absolviert.
Im März habe ich meinen ersten Jugendroman auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt und im Oktober erscheint mein zweiter Roman. Momentan arbeite ich an zwei Buchprojekten, einem historischen Jugendbuch, das in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt und einem Buch, das sich mit einer immer größer werdenden Jugendbewegung auseinandersetzt. Mehr möchte ich dazu im Moment noch nicht verraten.
Nicolas Certa
Du hast neben Deinen eigenen Werken eine ganz besondere Aufgabe, der Du nachgehst. Du arbeitest für das Leseförderprogramm Antolin. Erzähl uns ein wenig darüber.
Renate Kaiser
Seit sieben Jahren arbeite ich für Antolin. Ich lese Kinder- und Jugendbücher und denke mir dazu Fragen aus, die das Sinn entnehmende Lesen prüfen. Pro Buch werden 15 Fragen erarbeitet, mit drei Antwortmöglichkeiten. Bisher habe ich über 800 Fragensätze für Antolin erarbeitet. Außerdem arbeite ich als Administratorin für Antolin, d.h. ich überprüfe die Fragensätze von Lehrern, Schülern, Buchautoren etc. auf Vollständigkeit, auf Rechtschreibfehler, kontrolliere die bibliographischen Angaben usw. und stelle sie anschließend online. Ich besuche auch Schulklassen und erarbeite mit den Schülern zusammen einen Fragensatz zu einer aktuellen Klassenlektüre, anschließend stelle ich die Fragen ins Netz, sodass die Kinder noch am selben Abend Punkte für ihre selbst ausgedachten Fragen bekommen können. Mehrmals im Jahr präsentiere ich Buchtitel bei Antolin zu sogenannten Schwerpunktthemen, man findet sie unter Lesetipps.
Nicolas Certa
Meine Tochter arbeitet ebenfalls mit Antolin. Ich schätze das Programm außerordentlich, denn gerade in der heutigen Zeit gerät in vielen Familien das Lesen in Vergessenheit. Kinder sitzen eher vor dem Fernseher, dem Computer oder spielen Nintendo. Ein Leseprogramm wie Antolin motiviert Kinder mehr zu lesen, denn sie wollen in ihrer Klasse nicht ganz unten in der Punkterangliste stehen. Wie siehst Du die Problematik? Meinst Du es grassiert die Lesefaulheit – als Krankheit einer medial übersättigten Zeit?
Renate Kaiser
Antolin verbindet das Buch ganz wunderbar mit dem Medium Internet. Gerade die jüngeren Schüler finden es „cool“, wenn sie durch das Lesen im Internet Punkte sammeln können. Im Regelfall sind die Punkteranglisten nicht öffentlich, andererseits messen sich Kinder gerne im Wettbewerb, bei Sportveranstaltungen werden auch Leistungen miteinander verglichen. Im Übrigen glaube ich schon, dass viele Kinder und Jugendliche heute weniger lesen, da die Verlockungen durch Fernsehen und Internet übermächtig zu sein scheinen. Sicherlich spielt aber auch das Leseverhalten in der Familie eine große Rolle.
Nicolas Certa
Du selber hast zwei Bücher geschrieben. Lehrer, Liebe, Lügen ist seit April diesen Jahres als Starke Mädchen Stories-Buch Band 12 im Schenk Verlag erhältlich, im Oktober erscheint Dein zweites, Band 15 der SMS-Reihe: 750 Gramm pro Woche. Es behandelt das Thema Magersucht, Stress mit Lehrern und der Familie. Wie wichtig ist es Dir, Kinder und Jugendliche hinsichtlich dieser Thematiken zu sensibilisieren?
Renate Kaiser
Meine Figuren versuchen ihre eigenen Stärken zu erkennen und ihrem Charakter treu zu bleiben. Sie möchten ihren eigenen Stil finden und sich nicht vom Kult um Markenkleidung oder gängigen Schönheitsidealen aus dem Fernsehen oder Teenie-Zeitschriften terrorisieren lassen. Das ist natürlich nicht so einfach.
Nicolas Certa
Was hat Dich dazu bewogen, selbst Jugendbücher zu schreiben?
Renate Kaiser
Nachdem ich mich mehrere Jahre intensiv mit der Jugendliteratur auseinandergesetzt hatte, entstand der Wunsch, ein eigenes Buch zu schreiben. Durch das Fernstudium habe ich viel über Figurenaufbau, Spannungsbogen etc. gelernt. „Lehrer, Liebe, Lügen“ entstand aus einer Kurzgeschichte, die ich als Einsendeaufgabe bearbeitet habe. Das Thema hat mir so gut gefallen, dass daraus ein ganzer Roman entstanden ist.
Nicolas Certa
Bei mehr als 800 gelesenen Kinder- und Jugendbüchern: Kannst Du die Bücher überhaupt noch sehen?
Renate Kaiser
Ein Tag ohne Bücher ist unvorstellbar für mich. Leider komme ich viel zu selten dazu, Erwachsenenbücher zu lesen. Deshalb liebe ich Hörbücher. Ich nutze sie beim Sport, beim Autofahren, beim Kochen usw…
Nicolas Certa
Gibt es ein anderes Genre, das Du gerne liest?
Renate Kaiser
Ich mag alles außer Science-Fiction, Horror, Vampirgeschichten und Fantasy.
Nicolas Certa
Dein Lieblingsbuch?
Renate Kaiser
Ich habe kein Lieblingsbuch. Es gibt so unvorstellbar viele tolle Bücher, sodass ich kein Buch mehrmals lese, außer „Die Buddenbrooks“ und „Der Zauberberg“ von Thomas Mann.
Nicolas Certa
Wie dürfen wir uns den Platz vorstellen, an dem Du Deine Bücher schreibst?
Renate Kaiser
Ein ca. 100 Jahre alter Eichenholzschreibtisch mit einer eingefassten Lederplatte, auf dem ein Laptop steht.
Nicolas Certa
Vielen Dank für das Interview! Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deiner Veröffentlichung im Oktober!
Renate Kaiser
Ich danke dir für das Interview.
Weiterführende Links
- Internetseite: www.renate-kaiser.de
- Facebook-Profil: Renate Kaiser
- Lehrer, Liebe, Lügen: Schenk Verlag, März 2010,
ISBN: 978-3939337720, 159 Seiten Taschenbuch, € 7,90 - 750 Gramm pro Woche: Schenk Verlag, September 2010,
ISBN: 978-3939337799, 160 Seiten Taschenbuch, € 7,90