Nele Neuhaus: Krimiautorin

© by Nele Neuhaus

Nele Neuhaus, geboren 1967 in Münster/Westfalen, lebt seit ihrer Kindheit im Taunus und schreibt bereits ebenso lange. Sie arbeitete in einer Werbeagentur, studierte Jura, Geschichte und Germanistik. Seit ihrer Heirat unterstützt sie ihren Mann im familieneigenen Betrieb und schreibt schon seit längerem nebenher Krimis und Jugendbücher. Ihre Krimiserie mit den Ermittlern Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, die sie zunächst im Selbstverlag veröffentlichte, machte Nele Neuhaus weit über die Grenzen des Taunus bekannt.

Ihr neuester Krimi Schneewittchen muss sterben gelangte bereits drei Tage nach Erscheinen im Juni 2010 unter die TOP20 der SPIEGEL-Bestsellerliste und steht seit Wochen auf Verkaufsrang 1 bei Internetbuchhändler amazon.

Im Frühjahr 2011 erscheint im Thienemann-Verlag der erste Band der Jugendbuchreihe Elena – Ein Leben für Pferde mit dem Titel Gegen alle Hindernisse. Band 2 folgt im Herbst 2011.

Derzeit schreibt Nele Neuhaus am fünften Fall für ihr Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Die Autorin lebt mit Mann und Hund im Vordertaunus.


Nicolas Certa
Hallo Nele, vielen Dank, dass Du Zeit für mich gefunden hast. Stell Dich bitte kurz meinen Lesern vor. Wer verbirgt sich hinter der erfolgreichen Autorin der Taunus-Krimis?

Nele Neuhaus
Viele Leute glauben, Nele Neuhaus sei ein Pseudonym. Das stimmt aber nicht – ich heiße wirklich so! :) Ich bin mittlerweile 43 Jahre alt, obwohl ich das gar nicht glauben kann. Seit vielen Jahren arbeite ich in der Firma meines Mannes mit, wir haben uns vor 22 Jahren durch unser gemeinsames Hobby, die Pferde, kennengelernt und ich habe seine größte Passion, das Springreiten, immer aktiv unterstützt, seine Pferde trainiert, gepflegt und durch die Gegend kutschiert, wenn es zu Turnieren ging. Aber trotzdem habe ich in all den Jahren nie meinen größten Traum aus den Augen verloren, denn seitdem ich ein kleines Kind war, wollte ich Schriftstellerin werden.

Nicolas Certa
Dein Weg von der Hobbyschreiberin zur angesehenen Autorin war ein harter steiniger Pfad. Standest Du während dieser Zeit kurz davor alles hinzuwerfen?

Nele Neuhaus
Nein, ich stand nie davor, alles hinzuschmeißen. Es ist schwer zu erklären, aber seitdem ich mich erinnern kann, war in mir der Wunsch, Bücher zu schreiben. Es ist ein innerer Drang, der stärker ist als alles andere. Schon früher in der Schulzeit habe ich mich auf die Stunden an der Schreibmaschine gefreut! Und auch später, als Erwachsene, habe ich jede freie Minute damit verbracht, mir Geschichten auszudenken und aufzuschreiben. Wenn man nur halbherzig dabei ist und nur darauf aus, eines Tages berühmt zu werden, dann gibt man schon mal auf. Aber wenn man etwas so sehr will, einfach schreiben, ganz für sich selbst, wenn einem diese bloße Tätigkeit tiefe innere Befriedigung gibt, dann ist an ein Aufgeben nicht zu denken.

Der Schritt, meine ersten Bücher mit Unterstützung eines Book on demand-Verlages (MV-Verlag in Münster/Westfalen) selbst herauszugeben, war für mich das Beste, was ich je getan habe. Auch wenn es sehr viel Arbeit war, denn mit dem Schreiben ist es nicht getan, man muss seine Bücher auch an die LeserInnen bringen, so hat mir alles Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wieder ganz genauso machen. Der Weg ist das Ziel! Und so steinig hätte es für mich gar nicht sein können, als dass ich darüber nachgedacht hätte, es zu lassen. Durch meinen Mann erhielt ich so gut wie keine Unterstützung, er liest nicht und kann nicht nachvollziehen, was mich am Schreiben so fasziniert, Vielleicht war seine ablehnende Haltung für mich zusätzliche Motivation für die erste Veröffentlichung. Ich wollte ihm zeigen, dass die Stunden am Computer etwas bringen, und ich glaube, das ist mir mittlerweile gelungen! :)

Nicolas Certa
Unter Haien
hat eine lange Entstehungsgeschichte. Wie viele Jungautoren gerietest auch Du in Kontakt mit den berüchtigten Zuzahlverlagen. Allerdings warst Du aufmerksam genug Dich nicht blenden zu lassen. Der Weg führte Dich schließlich zu einem BOD-Verlag, in dem Du Dein Buch auf eigene Kosten drucken lassen konntest, jedoch mit dem Budget, das Du Dir gesetzt hast. Wie lange hat es gedauert, bis aus dem ersten Buchstaben das gedruckte erste Buch geworden ist?

Nele Neuhaus
Ich habe acht Jahre lang an Unter Haien gearbeitet, wobei es in dieser Zeit auch sicherlich 3 bis 4 Jahre lang einfach so in der Schublade herumgelegen hat. Recherche war Mitte bis Ende der 90er Jahre noch sehr viel aufwändiger als heute, in Zeiten des Internet. Damals bin ich noch durch zig Buchhandlungen gestreift um Sekundärliteratur zu den verschiedenen Themen zu finden. Auch hatte ich ja kein festes Ziel auf das ich hingearbeitet habe. Anfang 2005 las ich das erste Mal von Books on demand, der Möglichkeit, sein Buch zu relativ geringen Kosten drucken lassen zu können. Vorher bin ich an Zuzahlverlage geraten, die in Zeitungen mit den Annoncen „Verlag sucht Autoren“ werben. Aber nachdem einer dieser Verlage für den Druck von Unter Haien 60.000 Mark von mir verlangte, war mir klar, dass es das nicht sein kann. Nachdem die Entscheidung für den MV-Verlag gefallen war und ich mich entschieden hatte, das Buch nicht als Book on demand, sondern als Auflage drucken zu lassen, machte ich mich ans Kürzen und Redigieren. Das war etwa im April, im September hielt ich das erste gedruckte Exemplar in der Hand. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen! Es war grandios und ich wähnte mich am Ziel aller meiner Träume. Ich habe übrigens sehr genau kalkuliert, der Auflagendruck gab mir die Möglichkeit, den Verkaufspreis meiner Bücher recht niedrig zu halten, denn ich wollte ja, dass meine Bücher gekauft werden. Mein Konzept ging auf und später, bei Eine unbeliebte Frau und Mordsfreunde, als ich höhere Auflagen drucken ließ, konnte ich sogar etwas Geld verdienen und auf die hohe Kante legen, um weitere Auflagen zu finanzieren.

Nicolas Certa
Nach Unter Haien schriebst Du Deinen ersten Taunuskrimi. Heute sind deine Bücher in den Bestsellerlisten vertreten. Wie stolz warst Du, als der Ullstein-Verlag sich bei Dir gemeldet hat? Was hat Deine Familie dazu gesagt?

Nele Neuhaus
Nachdem Unter Haien etwa einen Monat auf dem Markt war, fragten die ersten Leute, wann denn das nächste Buch käme. Darüber hatte ich mir eigentlich keine Gedanken gemacht, so war es nicht geplant. Aber dann dachte ich – warum nicht? Genug Stoff hatte ich ja, ich schreibe sehr viel für mich selbst und so suchte ich mir einen Entwurf raus und machte daraus einen Krimi. Die Entscheidung, die Handlung im Taunus anzusiedeln, kam mir erst zwei Wochen, bevor das Manuskript in Druck ging – vorher hatte ich alles an fiktiven Orten spielen lassen. Welch eine wunderbare Entscheidung, aus dem Bauch heraus getroffen, wie das Meiste, das ich entscheide! Natürlich lasen die Leserinnen und Leser im Taunus besonders gern Geschichten, die quasi vor ihrer Haustür spielten. Und so kam der Erfolg. Mordsfreunde verkaufte sich im Weihnachtsgeschäft 2007 in der Taunusregion in mancher Buchhandlung besser als Harry Potter oder Hape Kerkeling, der damals die Bestsellerlisten anführte. So wurde eine Verlagsvertreterin von Ullstein auf mein Buch aufmerksam. Sie nahm es mit nach Berlin in den Verlag und dort gefiel es einer Lektorin so gut, dass sie mit mir Kontakt aufnahm. Es war der wunderbarste Tag meines Lebens! Von so etwas träumt wohl jeder, der Schriftsteller werden will. Ich ergriff die Chance – der Rest ist ja beinahe schon Geschichte, obwohl diese E-Mail erst vor gut 2 Jahren kam.

Stolz ist aber nicht das richtige Wort. Ich bin eigentlich nur selten stolz, eher dankbar. Dankbar für das Talent, das der liebe Gott mir gegeben hat. Dankbar für meine Eltern, die mich immer gefördert und unterstützt haben. Dankbar dafür, dass ich den Mut hatte, den Schritt in die Öffentlichkeit zu tun. Und dankbar für die Chance, die ich von Ullstein bekommen habe. Ich habe sie genutzt und heute sind sie in Berlin genauso glücklich über unsere Zusammenarbeit wie ich es bin.

Nicolas Certa
Schneewittchen muss sterben
ist Dein aktueller Roman, der 4. Taunuskrimi. An Deinem fünften schreibst Du gerade. Hast Du noch weitere Ideen für Oliver und Pia? Oder hältst Du ein neues Setting für realisierbar?

Nele Neuhaus
Die Ideen gehen mir nicht aus! Ich muss nur mit offenen Augen und Ohren durch mein Leben geben und bekomme tagtäglich Anregungen. Aktuell schreibe ich an Wer Wind sät, das im Sommer 2011 erscheinen soll. Und ich kann verraten, dass ich mit dem Ullstein-Verlag einen langfristigen Vertrag abgeschlossen habe. Ich werde noch mindestens 3 weitere Bücher mit Bodenstein und Pia Kirchhoff schreiben. Ich könnte aber durchaus auch etwas anderes schreiben, als die Taunus-Krimis. Aber die machen mir im Moment sehr viel Freude. Und solange sie meinen Leserinnen und Lesern ebenso viel Freude machen, wird es weitergehen!

Nicolas Certa
Möchtest Du uns etwas über den Inhalt des 5. Taunuskrimis verraten?

Nele Neuhaus
Nein! :) Lasst euch überraschen … Im Ernst: ich kann noch gar nicht viel sagen, ich bin erst ganz am Anfang und weiß noch nicht so recht, in welche Richtung es gehen wird. Aber natürlich wird wieder meine Heimat, der Vordertaunus und das Rhein-Main-Gebiet, der Hintergrund sein. Wobei Spuren bis an den Bodensee und in die Schweiz führen … So, und jetzt müsst ihr bis zum Sommer 2011 warten! :)

Nicolas Certa
Oliver und Pia als bewegte Bilder? Eine Wunschvorstellung für Dich als Schöpferin? Tatort: Taunus?

Nele Neuhaus
Das ist ein zweischneidiges Schwert! Natürlich wäre es wundervoll, sollten Oli und Pia eines Tages über den Bildschirm oder gar die Kinoleinwand flimmern. Aber ich habe ein wenig Angst, was dann aus meinen Büchern gemacht wird. Drehbücher setzen nie 1:1 die literarischen Vorlagen um. Falls es soweit kommen sollte, hoffe ich auf einen tollen Regisseur und einen Drehbuchschreiber mit viel Fingerspitzengefühl, der sich im Optimalfall mit mir abstimmt. Und natürlich auf wunderbare Schauspieler!

Nicolas Certa
Wie viel Nele Neuhaus steckt in Pia Kirchhoff? Verbindet Dich etwas Persönliches mit Deinen Hauptcharakteren?

Nele Neuhaus
Pia ist so alt wie ich. Pia mag Pferde. Pia isst Toastbrot mit Salzbutter und Nutella. Aber das war es auch schon. Sonst ist sie ganz anders als ich, pragmatischer, vielleicht auch mutiger. Ihre Lebensumstände sind völlig anders als meine, ich bin verheiratet und ein charmanter Zoodirektor ist weit und breit nicht in Sicht. Aber natürlich ist man als Autor nie ganz davor gefeit, seinen Figuren ein klein wenig autobiographisches mitzugeben, aber nicht zu viel! Ein Buch soll ja keine Autobiographie werden, sondern ein Roman. Fiktion. Da kann man dann auch mal während des Schreibens Urlaub vom Ich machen. :)

Nicolas Certa
Privat interessieren Dich Pferde offenbar besonders. Ist es die Ausstrahlung der Tiere, deren elegantes Erscheinen, das Dich anspricht? Warst Du als kleine Nele ebenfalls ein Pferdenarr? Bist Du mit den Tieren aufgewachsen?

Nele Neuhaus
Die kleine Nele hat auf Sonntagsspaziergängen schon immer nach Hufspuren Ausschau gehalten und war vor Freude außer sich, wenn ein Pferd in Sicht war. Ich habe mich früher nur im Galopp fortbewegt und an meinem Fahrradlenker befand sich eine Kordel – Zügel, mit denen ich lenkte. In meiner Familie teilte niemand die Leidenschaft für Pferde, wir besaßen nur immer einen Hund, aber ich durfte mit dem Voltigieren beginnen als ich 9 war und später dann, als wir direkt neben einem Reitstall wohnten, mit dem Reiten. Pferde sind wundervolle Tiere und der Umgang mit ihnen fördert Verantwortungsbewusstsein und Disziplin, denn sie möchten jeden Tag gepflegt und bewegt werden, bei 35°C und auch bei Eis und Schnee. Das ist kein Zuckerschlecken! Urlaub gab es bei meinem Mann und mir in den letzten 22 Jahren nie, denn die Freizeit gehörte unseren Pferden. Aber es gibt für mich nichts Schöneres, als am frühen Morgen mit einem Pferd durchs Gelände zu streifen und zu meinen großartigsten Jugenderinnerungen gehören die Galopps am Atlantikstrand in Frankreich.

Nicolas Certa
Im nächsten Jahr wirst Du im Thienemann-Verlag einen zweiteiligen Jugendkrimi veröffentlichen. Back to the roots, wie Du selber sagst. Aus Pferdegeschichten in Schulheften wurden Krimis in der Bestsellerliste. Ist es für Dich besonders wichtig, diese Jugendkrimis zu schreiben?

Nele Neuhaus
Ob es besonders wichtig ist weiß ich nicht, aber es macht großen Spaß! Eben weil Pferde meine Leidenschaft sind und weil ich mich gut auskenne. Beim Schreiben bin ich regelrecht versunken – plötzlich war ich wieder 13! Und mir ist es ein Bedürfnis, gute Pferdebücher zu schreiben, nicht so ein unrealistisches Zeugs, über das ich mich schon als Jugendliche schrecklich geärgert habe, weil es so fernab von aller Realität war. Elena – ein Leben für Pferde, das 2011 in zwei Bänden im Thienemann-Verlag erscheinen wird, ist sehr nah an der Realität. Da gibt es bedrohliche Situationen, Verzicht auf Vergnügen, weil die Pflicht vorgeht, Sorgen um kranke Pferde. Ich hoffe, dass die Geschichten um Elena und die Pferde vom Amselhof so gut ankommen wird, dass ich noch einen weiteren Band folgen lassen darf. Ja, tatsächlich, zurück zu den Wurzeln – so fing vor vielen, vielen Jahren alles an. Und das Schönste ist, dass meine Eltern meine schriftstellerischen Anfänge aufgehoben haben, ich habe die meisten der Geschichten noch, nur die Tinte ist etwas blass geworden.

Nicolas Certa
Dein Lieblingsbuch?

Nele Neuhaus
Das kann ich nicht sagen. Ich lese sehr viel und es gibt immer wieder Bücher, die ich liebe. Geliebt habe ich als Jugendliche die Trilogie um Stute Flicka und den jungen Ken McLaughlin auf dem Gänseland-Gestüt in Wyoming von Mary O’Hara (zufällig bei Ullstein erschienen!).

Heute lese ich gerne Krimis, klar. Nicht mehr so gerne die Amerikaner. In der letzten Zeit zum Beispiel Stieg Larsson, Camilla Läckberg, Fred Vargas, Elizabeth Corley, Dick Francis (ein Muss für Pferdefans).

Bei meinen eigenen Büchern gibt es kein Lieblingsbuch. Doch, vielleicht ein bisschen Unter Haien. Weil es mein erstes war. Oder weil ich so intensiv daran gearbeitet habe und das über Jahre hinweg.

Nicolas Certa
Schreibst Du drin am Schreibtisch oder zieht es Dich samt Notebook außerdem nach draußen, zu den Pferden?

Nele Neuhaus
Immer am Schreibtisch. Immer am PC, meine Unterlagen in Griffnähe. Draußen kann ich mich nicht konzentrieren, da bin ich vielleicht ein bisschen spießig, aber ich brauche mein Arbeitsumfeld, um abschalten zu können. Die Ruhe, die Ungestörtheit. Ich höre auch keine Musik beim Schreiben.

Nicolas Certa
Nele, vielen Dank für das Interview! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinen Werken!

Nele Neuhaus
Sehr gerne! Und vielen Dank auch von meiner Seite für das Interview und die guten Wünsche!


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One Response to Nele Neuhaus: Krimiautorin

  1. Smits Ursula says:

    Guten Abend Nele!
    Das ist ja ein tolles Interview! Ich bin ganz stolz auf meine so begabte Nichte! Auf Dein nächstes Buch bin ich wirklich gespannt.
    Schneewittchen muß sterben hatte ich im Krankenhaus in 2 Tagen durch, obwohl mir dauernd die Hände einschliefen. Ich mußte es ja immer in die Luft halten,um lesen zu können!
    Weiter so.Die ganze Familie freut sich schon darauf. Sie sind auch von der ersten Seite an spannend!
    Liebe Grüße
    Ursula

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