Worum es geht
Vor über fünf Jahren verschwand die Tochter von Jeremiah Hunt. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich in seinem Arbeitszimmer mit der Übersetzung von Texten längst vergessener Sprachen. Wochenlange Ermittlungen konnten das Verschwinden seiner Tochter Elisabeth aus dem eigenen Haus nicht erklären; nicht der kleinste Hinweis tauchte auf. Zwei Jahre nach dem Verschwinden zerbrach Hunts Ehe. Hunt vertiefte sich in seine Recherchen, die endlose Suche nach seiner verschollenen Tochter. Als seine Frau Anne eines Tages in der Tür zu seinem Arbeitszimmer stand und sagte, dass sie gehen werde, nahm Jeremiah dies kaum war.
Seine Suche ließ ihn von Tag zu Tag verzweifelter werden. Schlussendlich suchte er Wahrsager, Wünschelrutengänger und weitere Scharlatane auf. Auf dem Weg zu einem dieser Hellseher begegnet er einem Priester. Sein Leben ändert sich schlagartig…
Um zu finden was andere nicht sahen, um zu finden was im Verborgenen ruhte, um seine Tochter zu finden, ließ sich Hunt auf einen Handel ein: Er gab sein Augenlicht. Als Blinder erlangte er eine besondere Gabe: Er konnte fortan Tote sehen! Geister. Nun bestritt er seit jener Zeit seinen Lebensunterhalt als Exorzist.
Öfters arbeitet er für die Polizei, für Detective Miles Stanton. Eines Tages kommt es zu einem kaltblütigen Mord, Stanton holt sich Hunt zur Hilfe. An die Wände des Tatortes sind Schriftzeichen vergessener Sprachen gekritzelt worden.
Damit wird Hunt in eine Mordserie verwickelt, die irgendwie mit dem Verschwinden von Elisabeth zusammen zu hängen scheint…
Kritische Worte
Zwar hat Joseph Nassise das Buch in der Ich-Perspektive verfasst, dennoch konnte ich mich schnell mit der Figur identifizieren. Dies gelingt mir bei vielen Ego-Werken nicht.
Der Schreibstil ist äußerst flüssig. Die oben zusammengefasste Lebensgeschichte von Jeremiah Hunt wird dabei keineswegs zu Beginn der Handlung aufgeführt, vielmehr schiebt Nassise zwischendurch kurze Kapitel ein, die Hunts Leben näher beleuchten.
Ebenfalls erfreut war ich darüber, wie Joseph Nassise das Buch beginnt. Er führt Jeremiah Hunt während seiner Tätigkeit als Exorzist ein. Der Leser befindet sich sofort mitten in der Handlung, die das Leben des Schattensehers ausmacht.
Weiterhin gelingt es dem Autoren eine magische Welt zu erschaffen, die keineswegs komplett in das Reich der Fantasy abdriftet, sondern vielmehr eine Realität erzeugt, in der das Übernatürliche parallel zu uns existiert. Die Charaktere innerhalb des Buches werden von Nassise allesamt so skizziert, wie es für die Situation von Nöten ist. Nebenfiguren werden klar als Nebenfiguren erkenntlich gehalten, erlangen sie im Laufe der Handlung an Bedeutung, so baut Joseph Nassise sie weiter aus.
Mein Fazit
Der Schattenseher ist ein magischer Thriller, der nach mehr verlangt. Leider erscheint die Fortsetzung erst im März 2011. Schade, denn diese Pause hätte kürzer ausfallen können.
Das magische Element macht den Roman zu etwas Besonderem, dennoch darf jeder Thrillerfan beruhigt zum ersten Band der Hunt-Chroniken greifen. Das Buch ist definitiv nicht nur für Fantasy-Fans gedacht, zudem ist der erste Band eigenständig lesbar.
Der Autor
Joseph Nassise, geboren 1968 in Boston, Massachusetts, ist der erste Autor, der in einem Jahr sowohl für den International-Horror-Guild- und den Bram-Stoker-Award nominiert wurde. Nassise lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Phoenix, Arizona.
Besten Dank an Joseph Nassise, der mir sein Portrait zur Verfügung stellte!
Daten zum Buch
Titel: Der Schattenseher
Reihe: Die Hunt-Chroniken – Band 1
Genre: Magischer Thriller
Autor: Joseph Nassise
Verlag: Pan Verlag GmbH
Erschienen: 2009 (deutsche Erstausgabe)
Umfang: 350 Seiten
ISBN: 9-783426-28304-2
Weitere Bücher des Autoren:
Der Engel, Der Ketzer, Die SchattenQuellen:
- Cover: Droemer Knaur*
- Bezugsmöglichkeit: Pan Verlag
- Autorenwebsite: http://josephnassise.com
