Rezension: Das alte Kind – Zoë Beck

Worum es geht

Der Tragödie erster Teil:

1978 verbringt Carla Arnim einige Zeit wegen einer Gürtelroseninfektion in einem Berliner Krankenhaus. Zu dieser Zeit ist sie seit sechs Monaten Mutter ihres zweiten Kindes, Felicitas. Aufgrund der äußerst ansteckenden Gürtelrose werden Mutter und Tochter getrennt, so dass einige Tage vergehen, ehe Carla ihre über alles geliebte Tochter wieder in den Armen halten darf.

Allerdings ist es nicht ihre Tochter, behauptet Carla. – Doch niemand will ihr glauben! Nicht einmal ihr Mann Frederik, ein berühmter Pianist.

Carla verstößt ihr Kind, nennt es nicht einmal mehr beim Namen. Aus Felicitas wird Fliss. Und noch etwas scheint nicht richtig: Das Baby ist offenbar krank. Es stellt sich heraus, dass es an Progerie leidet, dem Hutchinson-Gilford-Syndrom. Ein seltener Gendefekt lässt Fliss rapide vergreisen…

Der Tragödie zweiter Teil:

Gegenwart: Fiona erwacht in ihrer Badewanne. Ihre Pulsadern sind aufgeschnitten, sie fühlt sich unendlich müde. Doch Fiona bewahrt einen klaren Kopf, ruft den Notarzt. Sie erklärt Polizei und Arzt, dass sie nicht versucht habe, sich das Leben zu nehmen. – Doch niemand will ihr glauben!

Ihre Mitbewohnerin Mòrag, die Fiona ähnlich ist wie ein Zwilling, steht ihr in dieser Situation bei. Doch hat das krankhafte Verhalten Mòrags Fiona immer ähnlicher zu sein, diese selbst in den Wahnsinn getrieben?

Kritische Worte

Ist Zoë Becks Das alte Kind ein Thriller? Jein!

Zoë Becks Das alte Kind ist viel mehr als einfach nur ein Thriller.

Auf der einen Seite erzählt uns die Autorin die Geschichte zweier Frauen: Einer Mutter, Carla Arnim, die verzweifelt ihr leibliches Kind sucht. Verlustängste, das Gefühl, von Gott und der Welt allein gelassen worden zu sein, spiegeln sich deutlich in Carla Arnim wieder. Ihr psychischer Niedergang ist erschreckend und depressiv. Der familiäre Zerfall ebenso.

Fiona Haywards Lebensgeschichte ist nicht weniger vom Schicksal gezeichnet. Ihre Mutter starb, als Sie 13 war, sie ist mehr oder weniger tablettenabhängig. Auf einen Schlag verliert Fiona ihr gewohntes Leben und wird sich bewusst, dass sie eigentlich nie ein richtiges Leben hatte.

Auf der anderen Seite präsentiert uns Zoë Beck zwei Verbrechen. Wurde das Kind von Carlas Arnim tatsächlich in dem Berliner Krankenhaus ausgetauscht? Und wer hat Fiona versucht zu töten? War sie es nicht doch selbst?

Die Autorin hat es geschafft, eine an Spannung mehr und mehr hinzugewinnende Geschichte zu konstruieren. Sie verbindet die Schicksale beider Frauen, welche gravierende Auswirkungen auf deren soziales Umfeld haben.

Zu Beginn ist es zwar etwas verwirrend sich in die Geschichte einzufinden, später lässt sich Das alte Kind hingegen schwer aus der Hand legen.

Mein Fazit

Der Thriller, der vielmehr ist als ein Thriller. Zoë Beck gelang es eine Familientragödie zu schreiben, in der den beteiligten Personen eine enorme Tiefe verliehen wurde.

Wer einen klassischen Psychothriller sucht, den wird Das alte Kind enttäuschen. Wer jedoch auf der Suche nach einem spannenden, atmosphärisch dichten Drama ist, der sollte unbedingt Das alte Kind zur Hand nehmen.

Mein Dank an Bastei-Lübbe für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Zum Interview mit Zoë Beck

Über die Autorin

Zoe Beck, geboren 1975, wuchs zweisprachig auf und besuchte ein Internat in der englischen Grafschaft Berkshire. Ein Schulausflug zum Grab von Agatha Christie im nahe gelegenen Cholsey weckte ihr Interesse an Kriminalliteratur. Nach ihrer Klavierausbildung entschied sie sich gegen eine Pianistenkarriere und schreibt seitdem Kriminalromane und Literaturkolumnen für Zeitschriften. Zoe Beck lebt in Edinburgh und Berlin.

Internetseite des Autors

www.zoebeck.net


Daten zum Buch

Verlag: Bastei Lübbe, 302 Seiten Taschenbuch, Erschienen: 29.05.2010, ISBN: 9-783404-16443-1

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