Lea Korte – Autorin historischer Romane

Lea Korte

Über mein heutiges Interview freue ich mich ganz besonders. Die Autorin historischer Romane hat mir nicht nur den eigenen Genrehorizont erweitert, sondern erweist sich zudem als äußerst angenehme Interviewpartnerin:

Lea Korte!

Lea Korte, geboren 1963, wanderte nach Abschluss ihres Studiums nach Spanien aus, wo sie zuerst in Katalonien und später im Baskenland und in Valencia als Übersetzerin und Autorin lebte. Von Anfang an setzte sie sich intensiv mit der Geschichte und Kultur ihrer Wahlheimat auseinander. Zusammen mit ihrem französischen Mann und ihren beiden Kindern lebt sie heute in Südspanien.


Nicolas Certa
Hallo Lea! Herzlichen Glückwunsch zu Deinen erfolgreichen Veröffentlichungen.
Besonders erfreut dürften Deine Fans über die Nachricht sein, dass Du mit den Arbeiten an der Fortsetzung zu Die Maurin begonnen hast. Doch bevor wir darauf näher eingehen, stelle Dich doch bitte kurz vor. Wie lebt es sich in Spanien? Was machst Du, wenn Du nicht gerade eine Tastatur vor Dir hast?

Lea Korte
In Spanien lebt es sich sehr gut und relaxt, allerdings wird vieles Schöne mit der Zeit zum Alltag, so dass man es gar nicht mehr so bewusst wahrnimmt, wie man es sollte. Nur das Meer ist für mich etwas, was ich jeden Tag neu genießen kann – zumal es jeden Tag, ach, zu jeder Stunde immer wieder anders aussieht. Und jetzt ahnst du es sicher schon: Wenn ich mal gerade nicht vor den Tasten sitze, dann zieht es mich eindeutig an den Strand oder ins Strandcafé, wo ich oft meine Fachliteratur lese oder meine Manuskripte redigiere – im Schatten, versteht sich. Und ansonsten mache ich etwas mit meiner Familie, gehe mit unserem Hund spazieren, mache Yoga oder – wen wundert’s? ;) – lese.

Nicolas Certa
Wann hast Du beschlossen: Jetzt schreibe ich ein Buch?

Lea Korte
Dass ich schreiben möchte, habe ich mit 12 entschieden, und es war nur logisch: „Ich lese gern, ich schreibe gern, also werde ich Schriftstellerin“, dachte ich damals. Und heute noch finde ich: Es war eine weise Entscheidung! ;)

Nicolas Certa
Da stimme ich Dir voll und ganz zu!
2007 hast Du Die Nonne mit dem Schwert veröffentlicht. Wie lange hat es mit der Umsetzung von der ersten Idee bis zum fertigen Roman gedauert?

Lea Korte
An der Nonne mit dem Schwert habe ich zweieinhalb Jahre gearbeitet, wobei die Recherchen einen großen Teil der Arbeit ausgemacht haben.

Nicolas Certa
Wie bist Du überhaupt auf die Idee gekommen, einen historischen Roman zu schreiben?

Lea Korte
Geschrieben hatte ich auch vorher schon: Die Nonne ist mein fünfter, die Maurin mein siebter Roman. Die Bücher davor und dazwischen sind unter anderen Pseudonymen erschienen; es waren Frauenbücher, ein Entwicklungsroman und ein Sachbuch. Aber irgendwann waren mir die „einfachen“ Romane nicht mehr „genug“. Ich recherchiere gern, habe dies auch viel in der Zeit getan, als ich noch für Zeitschriften geschrieben (und fotografiert) habe – und da mich Geschichte sehr interessiert, war es nur konsequent zu Ende gedacht, dass ich irgendwann an meinem ersten historischen Roman saß. Und ich muss gestehen: Sie sind wirklich meine große Liebe!

Nicolas Certa
2010 erschien dann Die Maurin. Der historische Roman erzählt die Geschichte einer jungen Maurin, die während der Vertreibung der Mauren aus Spanien aufwächst. Sie gerät mehr oder weniger unfreiwillig zwischen die Fronten eines religiösen Krieges und ist nicht unbeteiligt am zeitlichen Geschehen.
Wie stark hast Du Dich im Vorfeld mit der Geschichte der Mauren, insbesondere mit der Rolle der Frau in der damaligen muslimischen Welt auseinander gesetzt?

Lea Korte
Ja,  Zahra und ihre Familie sind immer an allen Brennpunkten, und das war mir auch sehr wichtig, weil ich zum einen die Geschichte von Zahra und ihrer Familie erzählen wollte, und zum anderen aber auch die letzten 15 Jahre der Reconquista. Da mir der historische Anteil sehr wichtig war, habe ich mich sehr, sehr intensiv mit der Geschichte der Mauren in Spanien auseinandergesetzt – und nicht weniger mit dem Islam an sich, und zwar nicht nur, was er für die Frauen, sondern auch was er für das tägliche Leben der Gläubigen an sich bedeutet.

Nicolas Certa
Wie hast Du dieses komplexe Thema recherchiert? Übers Internet, in Bibliotheken, oder direkt vor Ort?

Lea Korte
Das Internet ist oft keine verlässliche Quelle, vor allem übrigens nicht, wie ich festgestellt habe, wenn man sich über den Islam informieren will. Bücher sind da viel besser, außerdem liebe ich Bücher – weswegen unser Haus auch immer mehr einer Bibliothek ähnelt. Außerdem mache ich viele Recherchereisen und ich suche mir fachlichen Rat. Bei der Maurin hatte ich die Unterstützung eines Arabistik- und Islamwissenschaftlers und werde sicher auch bei der Maurin II noch viele Fragen an ihn haben.

Nicolas Certa
Hattest Du bereits eine Fortsetzung für Die Maurin vor Augen, als Du das Buch geschrieben hast?

Lea Korte
Der Gedanke kam mir erst gegen Ende des Romans, und zwar in dem Moment, in dem Tamu eine ganz bestimmte Bemerkung über Chalida und ihre Zukunft macht … Allerdings hatte mich die maurisch-kastilische Geschichte nach 1492 ohnehin gereizt, denn sie ist superspannend!

Nicolas Certa
Was kommt nach der Maurin? Vorstellbar wäre sicherlich, dass Du eine Figur aus dem Werk aufgreifst und mit dieser weiterarbeitest. Vielleicht etwas mit Kolumbus oder das Leben am Spanischen Hof.

Lea Korte
Nach der Maurin II kommt wahrscheinlich auch gleich wieder ein historischer Roman, an dem ich bereits kräftig „plotte“. Kolumbus wird darin sicher KEINE Rolle spielen. Ich  weiß auch nicht warum, aber irgendwie habe ich etwas gegen Kolumbus als Romanthema, und auch bei der Maurin I habe ich seinen Namen nur da erwähnt, wo es nicht zu vermeiden war. Nein, da gibt es viel, viel spannendere Themen! Lass dich mal überraschen! ;-)

Nicolas Certa
Gibt es für Lea Korte nur das historische Genre?

Lea Korte
Wie schon erwähnt bin ich unter Pseudonym auch schon in anderen Genren unterwegs gewesen und kann mir das auch weiterhin vorstellen. Sachbücher finde ich sehr reizvoll – und auch ein Spannungsroman würde mir sicher mal Spaß machen.

Nicolas Certa
Nach dem Studium bist Du nach Spanien ausgewandert. Würdest Du es heute wieder genauso machen?

Lea Korte
Auf jeden Fall! Und meine Kinder sind auch froh, dass sie in Spanien aufwachsen können. Auch hier gibt es Schulstress, aber doch nicht so wie in Deutschland und auch sonst haben die Kinder hier viel mehr Freiheiten – fast zu viele, denke ich manchmal.

Nicolas Certa
Du bist sehr aktiv bei Facebook unterwegs und betreibst ein eigenes Webblog. Wie sehr hilft Dir dieses Medium, Dich mit den Lesern auszutauschen?

Lea Korte
Da ich es von Spanien aus schwerer habe mit meinen Lesern in Kontakt zu kommen als dies bei Autoren der Fall ist, die im deutschsprachigen Raum leben, sind Facebook und Twitter für mich natürlich tolle Erfindungen. Mir ist es wichtig, mit meinen Lesern reden zu können, und über Facebook und Twitter haben sich auch schon richtige Freundschaften entwickelt.

Nicolas Certa
Wo schreibst Du am liebsten? Gibt es für Dich den idealen Arbeitsplatz?

Lea Korte
Mein Arbeitszimmer ist schon ideal, zumal dort mein PC steht.  Am Laptop arbeite ich eher ungern, weil ich mich da auf den Tasten schneller vertippe.

Nicolas Certa
Möchtest Du Deinen Lesern etwas mitteilen?

Lea Korte
Mir war es sehr, sehr wichtig, dass es einen zweiten Teil zu Die Maurin gibt – und dass dies nun möglich ist, verdanke ich meinen Lesern und den guten Kritiken, die das Buch von ihnen bekommen hat: Dafür danke ich euch von Herzen!

Nicolas Certa
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Deinem neuen Buch!

Hier geht es zur Rezension von Die Maurin!


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