Claudia Rossbacher – Krimiautorin aus Österreich

Krimiautorin aus Österreich

Foto: www.rafaelaproell.com

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Auf der Suche nach deutschsprachigen Autoren blickte ich erneut über den Tellerrand Deutschlands hinaus und entdeckte die Wiener Autorin Claudia Rossbacher.

Mit Hillarys Blut begann 2007 ihre Karriere als Krimiautorin. Kürzlich habe Ich mich mit Claudia unterhalten können und sie dabei als äußerst sympathische Österreicherin kennengelernt.

Natürlich stelle ich Claudia Rossbacher gerne an dieser Stelle meinen Lesern vor!


Nicolas Certa:
Hallo Claudia, es freut mich, dass Du etwas Zeit für mich gefunden hast. Stell Dich doch bitte kurz meinen Lesern vor.

Claudia Rossbacher:
Geboren wurde ich in Wien, doch schon meine Kindheit war von fernen Ländern und fremden Kulturen geprägt. Eine Zeit lang lebte ich mit meiner Mutter in Teheran, bevor die Revolution des Ayatollah Khomeini uns zurück nach Wien zwang. Es folgten mehrere längere Aufenthalte bei meinem Vater in Jakarta.
Nach meinem Tourismusmanagementstudium zog es mich in die Modemetropolen Europas und Japans, wo ich als Model im Scheinwerferlicht stand. Danach war ich viele Jahre lang Texterin und Kreativdirektorin in internationalen Werbeagenturen.
Seit 2006 arbeite ich als freie Autorin in Wien. In dieser Zeit entstanden drei Kriminalromane (Hillarys Blut, 2007; Drehschluss, 2009; Steirerblut, 2011), zahlreiche Kurzgeschichten (aktuell: Nur über meine Leiche in der Anthologie Gemischter Satz, 2010), ein Hörkrimi und ein Drehbuch für ein Krimievent.
Zudem betreue ich die Plattform der österreichischen KriminalschriftstellerInnen www.krimiautoren.at.

Nicolas Certa:
Du hattest eine aufregende Kindheit. Ebenso hat Dich Studium und Werdegang als Texterin viel in der Welt herumgeführt. Ist Dein Leben heute ruhiger geworden? Oder reist Du immer noch so viel?

Claudia Rossbacher:
Mein Lebensmittelpunkt hat sich inzwischen nach Wien verlagert, dennoch reise ich, sooft es geht. Ich lebe und erlebe viel intensiver auf fremdem Terrain. Das bereichert auch meine Arbeit als Schriftstellerin. Für mich gibt es kaum etwas Spannenderes, als neue Eindrücke zu sammeln und interessante Perspektiven zu gewinnen. Doch kehre ich auch immer wieder gern nach Hause zurück.

Nicolas Certa:
Ein Zeitungsartikel kann Dich zu einem Krimi inspirieren. Seit wann schreibst Du? Wie hat es angefangen?

Claudia Rossbacher:
Nicht nur ein Zeitungsartikel kann mich inspirieren, auch andere Medienberichte, selbst Erlebtes, Erzähltes oder Beobachtetes. Es reicht, dass ein Funke überspringt, der meine Fantasie anregt.
Begonnen hat alles recht früh. Schon als Kind liebte ich es, Geschichten zu erfinden, die mich und andere unterhielten. Das Handwerk eignete ich mir im Laufe meiner Ausbildungs- und Berufsjahre an – ich war ja lange Zeit Texterin –, bis ich eines Tages herausfinden wollte, ob es denn auch für einen brauchbaren Kriminalroman reicht.
Anfang 2006 begann ich dann ziemlich blauäugig, aber umso euphorischer mit der Arbeit an meinem Karibik-Thriller Hillarys Blut. Hätte ich vorher gewusst, wie schwierig sich der Weg in der Literaturbranche ohne die richtigen Kontakte und eine ordentliche Portion Glück gestaltet, hätte ich diesen Schritt vielleicht nie gewagt. Umso glücklicher bin ich heute, dass ich es doch getan habe und hartnäckig dabei geblieben bin.

Nicolas Certa:
Ein Jahr später erschien Hillarys Blut.
Dein aktueller Krimi Drehschluss führt seit 2009 den Leser in die Medienwelt. Wie viel Claudia Rossbacher steckt in dem Buch? Wie sehr hat Dich Deine Arbeit mit den Medien inspiriert?

Claudia Rossbacher:
Die Initialzündung zu Drehschluss lieferte die Anfrage eines Musikmanagers, der eine Ghostwriterin für die Biografie einer deutschen Schlagersängerin suchte. Aus dem Auftrag wurde zwar nichts, aber die Grundidee für mein zweites Buch war geboren.
Das Setting habe ich von der Musik- in die mir vertraute Medienbranche transferiert. Zudem hatte ich kurz zuvor an einem Drehbuchseminar auf Mallorca teilgenommen, wo Schauspieler, Regisseure und Autoren aufeinandertrafen, was mir eine schier unerschöpfliche Quelle der Inspiration war. Fantasie und Kreativität sind wichtige Begleiter eines Romanciers, aber ohne Beobachtungsgabe und Lebenserfahrung, auf die ich zurückgreifen kann, würde ich mich nicht an einen Roman heranwagen.

Nicolas Certa:
Würdest Du Drehschluss gerne im Fernsehen sehen? Oder gibt es vielleicht bereits Absichten in diese Richtung etwas zu unternehmen?

Claudia Rossbacher:
Wenn der Plot gut umgesetzt würde, hätte ich nichts dagegen Drehschluss im Fernsehen zu sehen. Der Stoff eignet sich jedenfalls hervorragend für eine Verfilmung. Derzeit gibt es aber (noch) keine konkreten Pläne.

Nicolas Certa:
Du hast die Plattform für österreichische Krimiautoren betreut. Gehst Du dieser Aufgabe immer noch nach? Macht es viel Spaß, mit Kollegen zusammenzuarbeiten?

Claudia Rossbacher:
Ich betreue die Plattform noch immer. Es macht mir großen Spaß, den illustren Kreis der österreichischen Krimiautoren zusammenzuhalten und in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Bis dato kamen auch schon einige erfolgreiche Kooperationen zustande, wie etwa die allwöchentlichen Rätselkrimis in der „Presse am Sonntag“, ein Fortsetzungskrimi für den „Kurier“ und die Anthologie „Gemischter Satz“ (echomedia Buchverlag, September 2010), bei der meine Autorenkollegin Sabina Naber als Herausgeberin fungiert. Den hervorragenden Kontakten meines Kollegen Andreas Pittler ist es wiederum zu verdanken, dass wir kürzlich den mit 5.000 Euro dotierten Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur der Stadt Wien ins Leben rufen konnten, der am 28. September 2010 erstmals im Rahmen der Wiener Kriminacht verliehen wird.

Nicolas Certa:
Ich merke schon, Du hast alle Hände voll zu tun. Zum Glück für Deine Leser bleibt Dir dennoch die Zeit kreativen Schaffens.2011 erscheint Dein nächstes Buch. Dem Titel nach hört es sich wie ein waschechter Krimi an. Was kannst Du uns über den Inhalt verraten?

Claudia Rossbacher:
Mit Steirerblut erscheint im Februar 2011 das erste Buch meiner neuen Alpenkrimi-Serie (Gmeiner Verlag). Anders als bei meinen ersten beiden Kriminalromanen wird nunmehr eine klassische Ermittlerin als Serienfigur im Zentrum der Handlung stehen und in jeweils unterschiedlichen Regionen der Steiermark zum Einsatz kommen.
Im ersten Band ermittelt Sandra Mohr vom LKA in Graz in ihrem Heimatdorf im steirischen Krakautal, dem sie nicht grundlos vor über zehn Jahren den Rücken gekehrt hat. Bisher hat Sandra vergeblich versucht, sich von ihren Wurzeln zu lösen. Und auch diesmal holt sie die Vergangenheit ein. Dass sie zudem mit einem neuen Kollegen, Chefinspektor Sascha Bergmann, zusammenarbeiten muss, vereinfacht die Ermittlungen im Mordfall an einer Journalistin auch nicht gerade. Immer tiefer gerät Sandra Mohr in einen Strudel aus privaten und beruflichen Konflikten und schließlich selbst in Lebensgefahr. Bei aller Spannung kommt in Steirerblut auch der Humor nicht zu kurz. Außerdem ist mir eine ganz gute Mischung aus Lokalkolorit und Tradition einerseits und zeitgemäßen globalen Themen wie Internetsex und Immobilienspekulation andererseits gelungen.

Nicolas Certa:
Das klingt spannend und verspricht uns einen unterhaltsamen Februar. —
Claudia, Du hast gemodelt. Ein Beruf, der sicher sehr hart und ebenso facettenreich ist. Gäbe es nicht genügend Anreize für einen Roman?

Claudia Rossbacher:
Ja. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich auch dieser Lebensabschnitt irgendwann in einem meiner Romane wiederfinden wird. Meine Karriere als Schriftstellerin hat ja gerade erst begonnen.

Nicolas Certa:
Dein Lieblingsbuch?

Claudia Rossbacher:
Immer das, an dem ich gerade schreibe. Ansonsten gibt es viele gute Bücher, auch abseits der Bestsellerlisten – egal in welchem Genre. Wobei ich auf zeitgeistigen Schnickschnack und literarisch wertvolle Stilblüten verzichten kann. Ich mag beim Lesen nicht über Formulierungen stolpern, über einzelne Sätze nachdenken müssen oder geistig abdriften. Ich bevorzuge eine klare Sprache, solides Handwerk sowie spannend und schlüssig aufbereitete Inhalte.

Nicolas Certa:
An welchem Ort schreibst Du am liebsten?

Claudia Rossbacher:
Ganz unspektakulär an meinem Schreibtisch – mit standesgemäßem Blick auf den Friedhof.

Nicolas Certa:
*lacht* Dann bin ich gespannt, auf welche Ideen Du bei dem Ausblick noch kommen wirst!Claudia, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit deinen Krimis.

Claudia Rossbacher:
Herzlichen Dank!


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